Die Ursprünge

Während der Feier für den Bischof Berenguer de Palou (1212-1241) von Barcelona am 2. August 1218 erschien die Jungfrau Maria vor den Augen des Sankt Petrus von Nolascus. Am 10. desselben Monats schloss sich unter Mitwirkung von König Jakob I. von Aragón, Bischof Berenguer de Palou und Raimund von Peñafort der Mercedarier-Orden zusammen. Zwischen 1222 und 1228 wurde der Orden offiziell gegründet und setzte sich zum Ziel, die gefangenen Christen, die zu Sklaven der Muslime gemacht worden waren, zu befreien. Er nahm den Wappenschild mit silbernem Kreuz der Kathedrale auf rotem Grund und den vier Streifen von Aragonien auf.

Im Jahre 1265 entstand der weibliche Zweig des Ordens, dessen Gründerin die Heilige Maria de Cervellón (1230-1290) ist. Ihre Überreste befinden sich in der Basilica de la Mercè. 1267 wurde der erste Tempel im gotischen Stil gebaut. 1380 übergab ihm König Petrus IV die Urne, in der sich die Überreste der Heiligen Maria de Cervellón befinden. 1687 verwüstete eine schreckliche Heuschreckenplage Barcelona und der Rat der Hundert erbat den Schutz der Jungfrau Mercé, indem er sie am 25. September zur Herrscherin der Stadt ernannte. Im darauffolgenden Jahr wurde die Plage schwächer und verschwand am 15. September 1688 schließlich ganz.
 


 

Das 19. Jahrhundert

Bevor sich die Kirche unserer lieben Frau der Barmherzigkeit in das heutige Spätbarocke Monument verwandelte, durchlebte sie verschiedene Phasen der Renovierung. So entsprach sie anfänglich dem spätromanischen beziehungsweise frühgotischen Stil, dann dem rein gotischen bis sie durch Zerstörungen schließlich verschwand und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Barockstil neu errichtet wurde. Im 19. Jahrhundert wurden die Ornamente des Gebäudes durch verschiedene Wechselfälle zerstört. Am 2. August 1868 berief Papst Pius IX (Giovanni Maria Mastai Ferretti, 1846-1878) die Jungfrau Mercé zur Herrscherin des Bistums Barcelona.




Das 20. Jahrhundert

Am 24. September 1918 wurde der siebte Jahrestag der Erscheinung der Jungfrau vor den Augen des Sankt Petrus von Nolascus, des Raimund von Peñafort und des Königs Jakob I. gefeiert. Zu diesem Anlass verlieh Papst Benedikt XV. (Giacomo della Chiesa, 1914-1922) der Basilica de la Mercè den Titel Basilica minor.


Die Zerstörung im Jahre 1936

Zu einer schrecklichen Zerstörung kam es im Juli 1936. All das, was in der Kirche passierte, beschrieb Schritt für Schritt Pfarrer José Sanabre, Archivar des Bistums Barcelona.

Pater Luis Pelegrí Nicolás, Benefiziat der Kirche, der aus diesem Grund am 29. März 1937 gemartert wurde, machte den Vorschlag, das gotische Bild zurückzugewinnen. Nachdem er erfahren hatte wie das Bild aussah, bat er eine Familie der Pfarrei um Hilfe, die gute Beziehungen zu dem Berater der Regierung Kataloniens pflegte. Die Gruppe fuhr mit einem Lieferwagen zur Kirche und gab vor, den Tresor mit dem Schmuck der Jungfrau zurückzuholen. Nachdem der Tresor leer geräumt worden war, gingen sie zum Chorraum und als sie an dem Bild vorbeikamen, das neben dem Alter heruntergefallen war, suggerierte Frau Coll, auch jenes Kunstwerk mitzunehmen.



Das Bild wurde in den Lieferwagen gelegt und absichtlich mit einem Laken von Frau Coll zugedeckt. Dann fuhren sie zum Palacio Capitanía General. Im Innenhof angekommen, transportierten sie das Bild der Jungfrau in ein Zimmer unter einer großen Treppe, wo sich die Utensilien zum Saubermachen und die Überreste der Heiligen Maria de Cervellón befanden, und versteckten es dort.


Der Wächter des Palasts passte zwei Monate lang auf die sakralen Gegenstände auf. Am 28. September 1936 wurde angeordnet, das Bild und das Grab der Heiligen Maria de Cervellón ins Museum im Nationalpalast am Fuße des Montjuïc zu bringen, wo beide Stücke restauriert wurden. Nach der Verlagerung wurde der Körper der Heiligen Maria de Cervellón dem Palacio Capitanía überlassen. Der Architekt Josep Francesc Ràfols i Fontanals nahm ihn an sich und hielt ihn bis 1939 in seinem Haus versteckt. Die Basilica de la Mercè wurde verlassen und blieb trostlos zurück.

Der Wiederaufbau

Nach Ende des Kriegs wurde mit Hilfe der Generalkapitäne Álvarez Arenas, Orgaz e Kindelán sofort der Wiederaufbauprozess eingeleitet. Zwischen 1939 und 1947 wurden der Boden des Kirchenschiffs, die Seitenaltare, die Sakristeien und die Allerheiligenkapelle erneuert.

1956 wurde das neue Bild der Jungfrau am oberen Teil der Kuppel angebracht, da das vorherige zu Beginn des Bürgerkriegs zerstört worden war. Während der Restaurierungsarbeiten wurde im Jahr 1942 ein Bild von der Jungfrau aus Terrakotta gefunden, welches im Tympanon der gotischen Kirche vergraben war. Es wurde ins Diözesanmuseum gebracht.


Die letzten Handlungen in der Kirche

Am 26. Juli 1964 gründete Gregorio Modrego Casáus, der Bischof von Barcelona, die Bruderschaft der Barmherzigkeit und im Laufe desselben Jahres wurden die Parameter für das Bild wieder aufgestellt, damit es so bewundert werden könne, wie Pedro Moragas es im 14. Jahrhundert behauen hatte. Am 22. Februar 1976 besuchte das Königspaar Spaniens die Basilika und am 7. Juli 1981 starb der Leiter, Don Lorenzo Castells Pujol. Jener bekam die neue Plaza del la Merced gegenüber der Hauptfassade, hinter den Trümmern eines Häuserblocks, nicht mehr zu Gesicht. Am 21. Januar 1992 wurde an die ersten Damen der Bruderschaft der Barmherzigkeit eine Medaille verliehen.
 

Die Basilica de la Mercè

Die Basilica de la Mercè ist ein deutliches Beispiel für die Architektur des 18. Jahrhunderts mit merklich klassischen Charakteristiken. Ihr Architekt, José Mas Dordal, inspirierte sich am klassizistischen französischen Stil. Die Kuppel ist Werk von Juan Martorell und stammt aus dem Jahr 1888. In der inneren Struktur der Basilika sind außer bei den Verzierungen die original architektonischen Linien zu finden, da die Altare ab 1939 erneuert werden mussten.

Der Hochaltar befindet sich über der Öffnung für die Kuppel und der gesamte Chorraum ist mit Marmor in verschiedenen Farben ausgelegt. Rechts des Chorraums steht der Altar der Heiligen Maria de Cervellón und links der von Petrus von Nolascus. Um auf die Kuppel zu gelangen, muss man durch eine Türe links des Gewölbekreuzes gehen. Die Hingabe der Bewohner von Barcelona an die Jungfrau Mercé war sehr stark und von Dauer und es gibt tausende Gläubige aus Barcelona und allen Gegenden in Katalonien, von Spanien bis Amerika, die die Basilika aufsuchen, um die Jungfrau Maria anzubeten.

Am 24. September reicht der Platz nicht im Geringsten aus, um die Massen aufzunehmen, die sich um den Tempel scharen. Die „Fiesta Mayor“ von Barcelona ist das Fest zu Ehren der Schutzpatronin Mercé und die Messe in der Basilika stellt die Haupthandlung dar.

Barcelona, Freitag 20. März 1992, Joan Bassegoda Nonell, aus der Bruderschaft der Jungfrau Mercé.


Historisches Archiv der Basilika